Spatenstich Gemeinschaftsgrabstätte

Der letzte Weg der Arnhilt Daude

15. November 2009

Arnhilt Daude hat ein erfülltes Leben gelebt, als sie kurz vor Vollendung ihres 74. Lebensjahres für immer die Augen schließt. 25 errungene „Goldene Sportabzeichen“ geben beredtes Zeugnis von Energie, Engagement und Willenskraft der Wilhelmshavenerin in beruflicher und privater Hinsicht. 

Geprägt durch eigene Erfahrungen, der Großvater war im Ersten, der Bruder – nur 19 Jahre alt – im Zweiten Weltkrieg gefallen, engagiert sich Arnhilt Daude seit 1975 für die Belange des Volksbundes. Hier findet sie eine neue Familie, denn mit dem Tod der Mutter hat sie keine lebenden Verwandten mehr. Sie führt ein zufriedenes Leben und hat nur eine Befürchtung: Wer kümmert sich um mein Grab und wird sich jemand meiner erinnern? 

Auf der Gemeinschaftsgrabstätte der Stiftung Gedenken und Frieden und des Volksbundes auf dem Berliner Waldfriedhof steht das Gedenken im Mittelpunkt. Denn viele Menschen befürchten wie Arnhilt Daude, dass die Erinnerung an sie nach ihrem Tod verblasst. Über 600 Menschen können dort ihre letzte gemeinsame Ruhe finden. Die Namen der Verstorbenen werden zentral auf einer Stele gesammelt, wie oft bei traditionellen Gemeinschaftsgrabstätten üblich. Sie bleiben damit über die reguläre Ruhezeit von zwanzig Jahren hinaus auf der Anlage erhalten. Mit dieser Form der Erinnerung hat der Volksbund schon bei seinen modernen Kriegsgräberstätten, etwa in Kursk-Besedino, sehr gute Erfahrungen sammeln können. 

„Mit dem Namen bleibt auch die Erinnerung erhalten, und das ist vielen Menschen sehr wichtig“, erklärt der Berliner Landesvorsitzende des Volksbundes Detlef Dzembritzki. Friedhöfe seien aber nicht nur ein würdiger Ort für die Verstorbenen, sondern ein Friedhof ist ein wichtiger öffentlicher Raum, ein Teil der kollektiven Erinnerung, ergänzt Landesgeschäftsführer Dr. Ingolf Wernicke. 

In Berlin wird dieses System weiterentwickelt. „Begräbnisstätten sind seit Alters her Orte des Erinnerns und des Gedenkens. Auf einer Gemeinschaftsgrabstätte entsteht darüber hinaus eine Ruhegemeinschaft gleichen Geistes. Mit einer neuen Form des privaten Gedenkens setzen wir diese Tradition mit sehr modernen Mitteln fort“, erklärt Andree M. R. Schulz, Leiter der Stiftung Gedenken und Frieden, die für die Anlage verantwortlich ist. „Bei dieser ,Gemeinschaftsgrabstätte 2.0’ können auf einer zentralen Stele mit Touchscreen nicht nur die Namen der Verstorbenen verzeichnet, sondern auch Informationen und Bilder digital hinterlegt werden.“ 

Gemeinschaftsgrabstätten gewinnen immer mehr an Bedeutung, denn viele Menschen befürchten nicht nur das Vergessenwerden, sondern auch, dass ihr Grab nicht gepflegt wird. Das gilt besonders für diejenigen, die keine Angehörigen haben, oder deren Kinder weit weg wohnen. Das führte laut Amt für Statistik Berlin-Brandenburg zu einer annähernden Verdoppelung der anonymen Bestattungen von 1992 bis 2008 in der Region. Vor diesem Hintergrund haben Freunde und Förderer der Volksbundarbeit ihre finanzielle Unterstützung mit einer Bitte verbunden: Der Volksbund möge sich um ihre Grabstelle kümmern. Diesem vielfachen Wunsch entspricht der Volksbund nun mit der ersten Anlage in Berlin. 

Baubeginn der Gemeinschaftsgrabstätte war am Volkstrauertag mit dem ersten gemeinsamen Spatenstich des stellvertretenden Bezirksbürgermeisters und Baustadtrates Klaus-Dieter Gröhler und Detlef Dzembritzkis wird nach Entwürfen des renommierten Landschaftsplaners Klaus Güß angelegt. 

Das Wetter ist novemberlich grau, es regnet ein wenig, als Arnhilt Daude auf dem schönen Waldfriedhof im Berliner Westen zu Grabe getragen wird. Zwanzig Menschen, die sie noch lange in Erinnerung behalten werden, gaben ihr das letzte würdige Geleit – Arnhilt Daude wäre darüber sicher sehr glücklich gewesen. 

Christoph Blase 


Gedenken und Frieden – Stiftung Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge 
2001 gründete der Volksbund Deutsche Kriegsräberfürsorge e. V. die „Gedenken und Frieden – Stiftung Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ (Stiftungskapital heute: 11 Mio. Euro) zur nachhaltigen Sicherung seiner Aufgaben. Sie setzt sich mit der Erhaltung der Kriegsgräberstätten, mit dem Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft und mit Jugend- und Bildungsarbeit für eine friedliche Zukunft ein. 
Volksbundpräsident und Stiftungs-Vorsitzender ist Reinhard Führer, Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses a. D. Mehr Informationen unter www.volksbund.de oder www.GedenkenundFrieden.de

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